Die dritte Säule unseres Parteiprogramms
Bildungspolitik

PISA - Studie (2009)2010: Leichte Verbesserung.
Deutschlands Schüler aber weiter nur im Mittelfeld.
Die 15-Jährigen in Finnland und den asiatischen PISA-Spitzenländern sind ihnen mit ihrem Wissen und Können immer noch um ein bis zwei Schuljahre voraus.
In keinem anderen Land der 65 verglichenen Staaten hat ein sozial ungünstiges Schulumfeld einen derart starken Einfluss auf die Leistungen von Kindern aus sozial schwachen Familien!
Unsere Kinder und Enkelkinder sind ganz bestimmt nicht "dümmer" als die Schüler in den PISA-Spitzenländern! Die Lehrerinnen und Lehrer an deutschen Schulen sind ganz bestimmt nicht unfähiger oder geben sich weniger Mühe als wie z.B. ihre Kolleginnen und Kollegen in Finnland! Es muss an unseren Politikern liegen, die nicht zu durchgreifenden Reformen fähig sind!
„Wir sind dem Ziel der Bildungsrepublik Deutschland ein größeres Stück nähergekommen“, sagte Anette Schavan (Bundesministerin für Bildung und Forschung) in Berlin.

In 2011 haben wir Landtags- und Kommunalwahlen.
Die Bildungspolitik liegt hoheitlich in den Händen der Bundesländer. Dieser Teil unseres Programms ist also das Thema für 2011!
Folgenden Beitrag, und anschließend den Ergänzungsentwurf zu unserem Teilprogramm Bildung, der die dringend notwendigen Verbesserungen bringen kann, stellen wir zur Diskussion:
Bildung - warum klappt es nicht?
In der Geschichte der Bundesrepublik stand die Bildung im Mittelpunkt eines Vertrages zwischen unserem Land und seinen Bürgern: Wenn du dich anstrengst und Verantwortung übernimmst, hast du die Chance auf ein besseres Leben. Und in einer Welt, in der das Wissen den Wert eines Bewerbers auf dem Arbeitsmarkt bestimmt, in der ein Kind in Köln nicht nur mit einem Kind in Hamburg konkurriert, sondern mit Millionen Kindern in Peking oder Bangalore, erfüllen zu viele Schulen in Deutschland ihren Teil des Vertrages nicht.
Aber die Probleme unseres Bildungswesen beschränken sich nicht auf die Städte. Immer wieder schneiden Schüler bei Tests in Mathematik und Naturwissenschaften schlechter ab als die meisten Gleichaltrigen in anderen Ländern. Die Hälfte aller Neunjährigen ist mit einfachen Multiplikationen und Divisionen überfordert.
Ich glaube nicht, dass die Regierung alleine daran etwas ändern kann. In erster Linie ist es Aufgabe der Eltern, ihren Kindern den Wert harter Arbeit und guter Bildung zu vermitteln. Aber die Eltern erwarten zu Recht, dass ihre Regierung durch die öffentlichen Schulen ein gleichrangiger Partner im Bildungswesen ist.
Bedauerlicherweise sehen wir von unserer Regierung nicht Innovationen und mutige Reformen im Schulwesen, Reformen, die die Schüler in die Lage versetzen könnten, sich z.B. um die Jobs bei SAP zu bewerben, sondern seit zwei Jahrzehnten erleben wir, dass die jeweilige Regierung nur an den Randproblemen herumdoktert und Mittelmäßigkeit durchgehen lässt. Teils ist das ein Ergebnis ideologischer Auseinandersetzungen, die ebenso überholt wie abgedroschen sind. Viele Konservative sagen, Geld habe keinen Einfluss auf den Bildungserfolg. Schuld an den Problemen seien unselige bürokratische Apparate, die einzige Lösung bestehe darin, das Bildungsmonopol des Staates zu brechen und Bildungsgutscheine auszugeben. Unterdessen wird auf dem linken Flügel häufig ein untragbarer Status quo verteidigt, und es heißt, nur durch mehr Geld könne man die Leistungen des Bildungswesens verbessern.
Beide Positionen sind falsch. Natürlich spielt Geld eine Rolle in der Bildung. Viele Schulen in den Städten und auf dem Land leiden unter zu großen Klassen, veralteten Schulbüchern, mangelhafter Ausstattung und womöglich müssen die Lehrer aus eigener Tasche für grundlegende Lehrmittel bezahlen. Aber es ist nicht zu bestreiten, dass die Art, wie viele öffentliche Schulen geleitet werden, ein mindestens ebenso großes Problem darstellt wie ihre Finanzierung.
Unsere Aufgabe ist es deshalb herauszufinden, welche Reformen sich am stärksten auf den Schulerfolg auswirken, sie angemessen zu finanzieren und die Programme einzustellen, die nicht die gewünschten Ergebnisse bringen. Wir brauchen verlässliche Anhaltspunkte, welche Reformen greifen, wie: ein anspruchsvoller, strenger Lehrplan mit einem Schwerpunkt auf Mathematik, Naturwissenschaften und schriftlichem Ausdruck, mehr Unterricht am Tag und mehr Unterrichtstage im Jahr, damit die Kinder genug Zeit haben und längerfristig ihr Konzentrationsvermögen entwickeln können, weil sie beides zum Lernen brauchen; Frühförderung für jedes Kind, damit nicht manche Kinder vom ersten Schultag an hinterherhinken; aussagekräftige, leistungsbezogene Bewertungen, die ein umfassendes Bild vermitteln, wie ein Schüler zurechtkommt; Anwerbung und Ausbildung veränderungsbereiter Schulleiter und besserer Lehrer.
Der letzte Punkt -gute Lehrer- muss besonders hervorgehoben werden. Neue Untersuchungen zeigen, dass es einen entscheidenden Faktor gibt, der über den Schulerfolg eines Kindes entscheidet: nicht die Herkunft, sondern der Lehrer. Leider sind zu viele Schulen bei uns auf unerfahrene Lehrer angewiesen, die nur über eine geringe Qualifikation in den Fächern verfügen, die sie unterrichten, und viel zu oft konzentrieren sich solche Lehrer an Problemschulen.
Das Problem besteht nicht darin, dass es an Interesse am Unterrichten fehlt. Ich treffe dauernd junge Leute, die einen Abschluss an einer Top-Uni in der Tasche haben und im Rahmen von Programmen zweijährige Einsätze an den härtesten Schulen des Landes leisten. Sie finden diese Arbeit außerordentlich befriedigend, und die Kinder die sie unterrichten, profitieren von ihrer Kreativität und ihrem Enthusiasmus. Aber nach Ablauf der zwei Jahre wechseln die meisten entweder den Beruf oder gehen an eine ruhige Vorstadtschule - eine Folge schlechter Bezahlung, mangelnder Unterstützung der zuständigen Stellen und des deutlichen Gefühls, alleingelassen zu werden.
Wenn es uns ernst damit ist, ein Schulsystem für das 21. Jahrhundert aufzubauen, müssen wir den Lehrberuf sehr Ernst nehmen. Das bedeutet, dass wir das Anerkennungsverfahren für Qualifikationen ändern müssen, damit ein Chemie-Absolvent, der gerne unterrichten möchte, nicht noch teure Kurse belegen muss. Wir können Neulinge mit erfahrenen Lehrern zusammenspannen, damit sie ihr Gefühl der Isolation überwinden, und bewährten Lehrern dabei helfen, dass sie besser kontrollieren können, was in ihren Klassenzimmern vor sich geht.
Das bedeutet auch, dass wir Lehrer anständig bezahlen müssen. Es ist nicht einzusehen, warum ein erfahrener, hochqualifizierter und fähiger Lehrer oder eine Lehrerin auf dem Höhepunkt seiner oder ihrer Karriere nicht 80.000 Euro im Jahr verdienen soll. Hochqualifizierte Lehrer in kritischen Fächern wie Mathematik und Naturwissenschaften, auch solche, die bereit sind, an besonders schwierige Innenstadtschulen zu gehen, könnten sogar noch mehr bekommen.
Es gibt nur eine Bedingung dabei. Wenn die Lehrer mehr Geld erhalten, müssen sie im Gegenzug für ihre Leistungen geradestehen, und die Schulbezirke müssen mehr Möglichkeiten haben, unfähige Lehrer loszuwerden. Bisher haben sich die Gewerkschaften gegen den Gedanken gesträubt, die Bezahlung an die Leistung zu koppeln, nicht zuletzt, weil sie mit einer solchen Regelung den Launen des Schulleiter/-in ausgeliefert wären. Weiterhin argumentieren die Gewerkschaften (mit einer gewissen Berechtigung wie ich meine), dass die meisten Schulbezirke sich bei der Einschätzung der Lehrerleistungen nur an Schülernoten orientieren, obwohl die Noten in einem hohen Grad von Faktoren abhängen können, auf die der Lehrer keinen Einfluss hat, wie die Anzahl von Schülern aus sozial schwachen Familien in einer Klasse oder von Schülern, die besondere Förderung brauchen.
Aber diese Probleme sind lösbar. Wenn die Bundesländer und Schulbezirke mit den Lehrergewerkschaften zusammenarbeiten, können sie bessere Verfahren zur Leistungsmessung entwickeln, die etwa Testergebnisse mit Formen der Bewertung durch Kollegen verbinden (die meisten Lehrer können erstaunlich präzise sagen, welche Kollegen an ihrer Schule wirklich gut und welche wirklich schlecht sind). Und wir können dafür sorgen, dass schlechte Lehrer Kinder, die lernen wollen, nicht länger daran hindern.
In der Tat müssten wir, wenn wir die erforderlichen Investitionen machen und unsere Schulen auf Vordermann bringen, die Gewissheit neu entdecken, dass jedes Kind >>lernen<< kann. Kürzlich hatte ich die Gelegenheit eine Schule im Ruhrgebiet zu besuchen, eine Schule, die in jeder Hinsicht einmal ganz unten rangierte, sich inzwischen mitten im Umbruch befindet. Im Gespräch mit Lehrern über die Schwierigkeiten, die sie überwinden mussten, erwähnte eine Lehrerin das >>Diese Kinder - Syndrom<<, wie sie es nannte: Die Entschlossenheit der Gesellschaft, eine Million Entschuldigungen zu finden, warum >>diese Kinder<< nicht lernen können, Sätze von der Art wie >>diese Kinder kommen aus schwierigen Verhältnissen<< oder >>diese Kinder sind zu weit zurück<<. >>Es macht mich wahnsinnig, wenn ich so etwas höre<<, meinte die Lehrerin. >>Sie sind nicht diese Kinder<<, es sind unsere Kinder<<.
Der kleine Junge in einem Dorf in Hessen, welcher ohne Eltern aufwachsen muss und es deshalb noch schwerer hat, besser lesen, schreiben und rechnen zu lernen um später im Leben Erfolg zu haben - >>er ist unser Kind<<.
Das kleine Mädchen in einem Ort in Mecklenburg-Vorpommern, dessen Schule buchstäblich am verfallen ist und man sich dort nicht leisten kann, neue Lehrbücher anzuschaffen und neue Lehrer zu gewinnen - >>es ist unser Kind<<.
Die Teenager in den großen Vorstädten, brauchen mehr Kompetenzen und eine bessere Schulbildung um zu konkurrieren für die gleiche Arbeit mit Teenagern in Peking oder Bangalore - >>Sie sind unsere Kinder<<.
Diese Kinder sind >>unsere Kinder<<. Alle von Ihnen! Und es ist Zeit, dass wir verstehen, dass ihre Bildung unsere große Verantwortung ist. Allen von uns!
Dies ist ein entscheidender Moment für unsere Generation. Revolutionen in der Kommunikation und Technologie haben eine globale Wirtschaft von High-Tech, High-Lohn-Jobs geschaffen mit Internetanschlüssen überall, - eine Wirtschaft also, wo es das wertvollste eines jeden ist, sein gewonnenes Wissen bestmöglich zu verkaufen.
>>Bildung ist nun die Währung der Information<<. Es ist nicht mehr nur ein Weg, um Chancen und Erfolg zu haben - das ist eine Voraussetzung!
In der zwölften Klasse, sind unsere Kinder, das zeigen Mathematik- und Informatik-Tests, schwächer als die meisten anderen Kinder in den Industrieländern der Welt:
Nun, ich akzeptiere nicht, diese Zukunft für Deutschland. Ich akzeptiere nicht, ein Deutschland wo wir nichts tun, etwa eine Million Studenten hinkt ihrem Lehrstoff gewaltig hinterher.
Ich akzeptiere nicht ein Deutschland, wo nur zwanzig Prozent unserer Studierenden bereit sind, ein Studium in Deutsch, Englisch, Mathematik und Wissenschaft zu absolvieren.
Ich akzeptiere nicht ein Deutschland, wo es Tatsache ist, dass die Hälfte aller Jugendlichen nicht in der Lage sind, grundlegende Fraktionen zu verstehen.
Ich akzeptiere nicht ein Deutschland, wo Grundschulkinder immer nur einen Durchschnitt von 25 Minuten in Fächern der Wissenschaft haben jeden Tag, wenn wir wissen, dass über 80 % der am schnellsten wachsenden Arbeitsplätze eine Wissensbasis in Mathematik und Naturwissenschaften erfordern.
Diese Art von Deutschland ist moralisch nicht hinnehmbar für unsere Kinder. Es ist wirtschaftlich unhaltbar für unsere Zukunft. Und es ist nicht wie wir sind, wie unser Land ist.
Wir verstehen uns nicht als >>diese Kinder<< Nation. Wir sind die Nation, die seit jeher verstanden hat, dass unsere Zukunft untrennbar mit der Bildung unserer Kinder verbunden ist >>alle von Ihnen<<.
Wir sind das Land, dass endlich erklären muss, dass Talent und Tugend in einer freien Gesellschaft benötigt werden, unabhängig vom Bildungsniveau, Reichtum oder Geburt.
In diesem entscheidenden Moment können wir dafür sorgen, dass dieses Jahrhundert ein neues positives Jahrhundert wird, indem wir ein historisches Engagement für Bildung beschließen.
Wir brauchen z.B. auch eine erhebliche Stärkung unserer Hochschulen mit Finanzmittel, zur Erschließung neuer Abschlüsse für neue und fruchtbare Berufsfelder.
Ich möchte jetzt auch darüber sprechen, was wir tun können, jedem Schüler zu helfen, in der Schule erfolgreich zu sein. Die Vorbereitung beginnt bei der Geburt und setzt sich mit Welt-Klasse-Schulen, hervorragenden Lehren fort.
Wir wissen, was für ein Unterschied in der frühen Kindheit gute Programme machen und kennen die Auswirkungen auf das Leben unserer Kinder. Studien beweisen, dass die Kinder in Programmen - vor allem Kinder aus Familien mit niedrigem Einkommen- eher fähig sind zu Lesen und zu Rechnen, eher Gymnasien und Hochschulen besuchen, eher einen Arbeitsplatz mit gutem Verdienst erreichen.
Und für jeden EURO, den wir in diese Programmen investieren, bekommen wir 10 Euro zurück und verbessert das Wohlergehen und reduziert die Kosten im Gesundheitswesen und verringert die Kriminalität.
Alle Kinder gehören in die Vor-Kindergarten-Programme. Aber wir müssen anfangen in noch früheren Jahren. Denn Tatsache ist, das Studien belegen, dass ab dem Zeitpunkt der Empfängnis bis zum ersten Tag des Kindergartens, die Kinder-Entwicklung schneller voranschreitet, als an jedem anderen Zeitpunkt des Lebens.
Bis zum Alter von drei Jahren sind bereits schon 85 % der Gehirnkompetenz gebildet. Wir müssen uns deshalb als Staat verpflichten, eine hohe Qualität von frühen Lernprogrammen zu entwickeln, welche den Kindern helfen ab dem Tag wo sie geboren werden. Diese Programme müssen eine frühe Betreuung und Bildung für neue Familien, sowie Säuglingen und Kleinkindern bieten. Es gibt keinen Grund, warum wir das nicht könnten und sollten in ganz Deutschland.
Ich würde eine Früh-Bildungs-Agenda einführen, für die Pflege-, Lern- und Unterstützung für Familien mit Kindern im Alter von null bis fünf Jahren. Ein System einer hochwertigen frühen Betreuung und Bildung für alle Kinder und ihre Familien.
Wir müssen einen Lern-Rat zur Koordinierung dieser Bemühungen auf allen Ebenen der Regierung einsetzen um sicherzustellen, dass wir für unsere Kinder und Familien die höchste Qualität erreichen. Und wir müssen helfen, dass mehr berufstätige Eltern einen sicheren und erschwinglichen Platz zur Betreuung ihrer Kinder während des Tages durch die Verbesserung der pädagogischen Qualität erhalten.
So geben wir unseren Kindern den bestmöglichen Start ins Leben und das müssen wir zu einer Verpflichtung der Bundesrepublik Deutschland machen.
Aber kein Programm und keine Politik kann Ersatz für einen Elternteil sein, wenn sich dieser an der Erziehung ihrer Kinder vom ersten Tag an beteiligt!
Es ist kein Ersatz für einen Elternteil! Stellen sie sicher, dass sie ihren Kindern helfen bei den Hausaufgaben. Ich bin sicher, dass wir sonst noch im nächsten Jahrhundert darüber reden, wenn wir nicht als Eltern bereit sind, das TV einmal auszuschalten, die Videospiele einmal zu entfernen und stattdessen mit den Kindern zu lesen.
Die Verantwortung für die Bildung unserer Kinder hat zu Hause zu beginnen!!!
Wir als Eltern sollten uns alle hohe Standards für uns selbst setzen und möglichst viel Zeit für unsere Kinder haben und sie lieben. Wir alle haben uns daran zu halten, sonst sollte man uns zur Rechenschaft ziehen.
Gastbeitrag von
Hermann Wipperfürth
Initiative Deutschlands nEUe Demokraten