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Kommentar von Brigitte O. Kaiser - Stellv. Bundes- und Landesvorsitzende

zur Sendung von:

Anne Will

Malochen bis 67 und dann arm – ist das sozial?

Sendung am 07.12.11 mit den Gästen
Monika Bauch arbeitende Rentnerin
Richard David Precht
Ottmar Schreiner (SPD)
Johannes Vogel (FDP)
Bernd W. Klöckner
Leonhard Kuckart – BuV der Seniorenunion CDU

Ottmar Schreiner könnte eigentlich in die RRP eintreten mit seiner Vorstellung das Schweizer Rentenmodell als ernsthafte Alternative für ein neues Rentensystem in Deutschland zu durchdenken. Wie oft in letzter Zeit festzustellen ist, scheinen unsere Ziele sehr gut zu sein, wie sonst finden sich Fürsprecher in den großen Parteien? Wenn auch die Umsetzung noch intensives damit Auseinandersetzen voraus setzt, sind wir doch auf einem guten Weg. Spätestens anhand dieses Beispiels sehen wir, dass unsere Forderungen weder abgehoben noch illusorisch sind, sondern die Grundlage bilden könnte, um alle Generationen aus dem Horrorszenario „Altersarmut“ zu befreien.

Herr Precht mit seinem sozialen Pflichtjahr für Senioren stand doch ziemlich auf weiter Flur allein. Alle konnten sich vielleicht für eine Freiwilligkeit erwärmen, aber keinesfalls Menschen, die 45 Arbeitsjahre und mehr hinter sich haben, vielleicht im Schichtdienst oder ständiger Rufbereitschaft eingesetzt waren, zu verpflichten ein Jahr ehrenamtlich sich in den Dienst der Allgemeinheit zu stellen.

Richtig ist, dass Menschen an Jahren immer älter werden und es darunter noch eine Vielzahl „Junggebliebene und körperlich gesund Fühlende“ gibt. Aber man sollte auch nie vergessen was gerade die vielen Opi’s und Omi’s für die nachwachsenden Enkel und Urenkel alles tun. Sie helfen finanziell und nehmen oft die Enkel in ihre Obhut, damit die Mami und der Papi Karriere machen oder einfach nur Geld verdienen können, um die kleine Familie ernähren zu können. Auch Besuche bei Kranken, Freunden sind sogenannte Dienste, die dem Nächsten dienen und der Gesellschaft Einiges abnimmt. Ob es Kostenersparnis im Pflegebereich oder Sonstigem ist.

Herr Klöckner, der der arbeitenden Rentnerin Frau Bauch vorhielt, sie hätte ihre Eigenverantwortungspflicht verletzt, weil sie sich wenig Gedanken um ihre zu erreichende Rente gemacht hat, ist ein arroganter Schwätzer (wie man in Süddeutschland sagen würde), der genau mit dieser provokativen Darstellung seiner Person (seiner Bücher) so viel Geld verdient, dass er sich bequem zurück lehnen kann. Wenn er von junger Generation spricht, die von der jetzigen Rentner-Klientel in den Abgrund gezogen wird, weil uneinsichtig usw. kann man ihn kaum ernst nehmen; denn er zahlt im Gegensatz zu Herrn Precht nicht in die Rentenkasse ein und hat somit kein Recht auf Kritik an Verhaltensweisen der Rentner.

Auch sollte er doch einmal eine Studie in Auftrag geben, ab welchem Alter wirklich an die Rentenzeit gedacht wird. Es käme Erschreckendes zu Tage.

Leider ist Herr Vogel in der Runde kaum in Erscheinung getreten und das Wenige was er ansprach hat gezeigt, dass die FDP zu diesem Thema wenig zu sagen hat.

Alles in Allem eine Runde, die versucht hat die Realität mit Visionen Einzelner zum Besten zu geben und als Vordenker großer Parteien eventuell ins Rennen geschickt wurden, um die Stimmung zu diesen Ideen zu erkunden.

Dass wir unser ganzes Gesellschaftssystem überdenken müssen, wenn wir alle sehr alt werden und fit sind und das Rentenalter praktisch so lange währt wie ein Arbeitsleben, dann müssen wir Möglichkeiten finden, wie wir diese Veränderungen auffangen. Eines ist dabei immer zu berücksichtigen, dass die physische und psychische Kraft jedes Einzelnen keinem Schubladendenken unterworfen werden kann, sondern Freiraum für individuelle Entscheidungen auch in einer Gesellschaftsform Solidarität erfährt.