
So soll es im neuen Durchgangsbahnhof einmal aussehen.
Visualisierung: Aldinger und Wolf.
Stuttgart 21
Ein Kommentar von Brigitte O. Kaiser
Demokratie
Die Würfel sind gefallen.
Die Grünen und alle Gegner des Bahnhofprojektes in Stuttgart wollten es wissen und wurden letztendlich von einer Niederlage kalt erwischt.
Viele Beobachter im ganzen Land hatten bestimmt erwartet, dass mehr Stuttgarter Bürgerinnen und Bürger von ihrem Wahlrecht Gebrauch machen, nachdem ein monatelanges intensives Tauziehen seinen Höhepunkt in der Volksabstimmung fand.
Als Beobachterin der Schlichtungsverhandlungen mit Heiner Geisler und die nachfolgende Entscheidung das Volk zu befragen, das Abstimmungsergebnis und die heute (Montag 28.11.11) wieder statt gefundenen Demonstrationen, stelle ich mir eine grundsätzliche Frage: „Welchen Sinn machen eigentlich demokratische Abstimmungen, wenn sich gerade die Gegner dem Ergebnis widersetzen?“
Ministerpräsident Kretschmann, der die Verantwortung in die Hände der Bürgerinnen und Bürger gelegt hat, müsste sich die Augen reiben angesichts der geringen Wahlbeteiligung, der weitergehenden Demonstrationen sich die Frage stellen, ob er etwas übersehen hat? Ja, er hat etwas übersehen, nämlich zu informieren was es heißt nach einem Ergebnis, egal wie es ausfällt, sich diesem demokratisch erlangten Resultat zu stellen, bzw. unterzuordnen.
Wenn sich jetzt die Gegner dahingehend äußern weiter zu demonstrieren, fällt es mir schwer ihre Argumente noch ernst zu nehmen. Jetzt wäre es an der Zeit das Projekt konstruktiv zu begleiten, um eventuelle Nachlässigkeiten der versprochenen Transparenz zu reklamieren und im Rahmen der gebotenen Möglichkeiten auf Einhaltung der Offenlegung sämtlicher Vorgänge die das Projekt betreffen, einzufordern.
Was mich in diesem Zusammenhang nachdenklich macht sind folgende Fragen:
Von Demokratie sprechen, demokratisches Verhalten einfordern ist anscheinend doch noch einmal etwas ganz Anderes, als Demokratie leben.