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Gedanken von Annemarie Wagemann

- Rentnerinnen- und Rentnerpartei -

KV Rosenheim

 

Müssen Arme eher sterben? 

Weil du arm bist, musst du eher sterben. Dieser Roman von H.G. Kernmayr wurde bereits 1956 verfilmt. und der berühmte Arzt und Pathologe Rudolf Virchow zitierte 1849:

“Wollen wir abwägen und zusehen, wo die Leichen dichter liegen, bei den Arbeitern oder Privilegierten – der Tod ist eine soziale Krankheit“.

In unserer Zeit brauchen wir dafür ein statistisches Landesamt oder die deutsche Rentenversicherung, um festzustellen, dass Arme eine kürzere Lebenserwartung haben. Die Versicherungen wissen längst, wie sie ihre Klientel bei den Beiträgen einzustufen haben. Armen, Kranken und Behinderten werden in unserer Gesellschaft bestimmte Rechte, Würde, und Behandlungen vorenthalten – man nennt das schlichtweg: psychische Vernichtung. Der Blick zu den Tafeln, Kleiderkammern, Sozialhilfestellen ist den Verantwortlichen abhanden gekommen, weil sie selber so eine Lebensform nie gekannt haben.

Bei meinen Recherchen stellte ich fest, dass es das 1. Mal ist, dass in Deutschland die Lebenserwartung seit dem 2. Weltkrieg bei einer Bevölkerungsgruppe, sprich den Armen, sinkt. Das gab es nur noch 1990 in Grossbritannien nach den radikalen Auswirkungen unter der reformwütigen Margret Thatcher.

Aus einem niedrigen Bildungsstand resultiert ein geringes Einkommen, das meistens schon im Elternhaus vorprogrammiert ist. Solche Leute kommen selten auf die Füße, um ihre existenziellen, wirtschaftlichen Probleme selber zu lösen. Sie müssen dafür oft hart arbeiten für wenig Geld, krankheitsbedingte Einschränkungen mindern die Lebensqualität. Sie leben in einer ständigen Angst, von der Gesellschaft ins Abseits gedrängt zu werden, was bei der Lohn-Auszahlung wegen Niedriglohn, Zeitarbeit, Minijob, Mobbing noch bestätigt wird. Auch die gesundheitliche Verantwortung zu sich selbst wird aus finanziellen Gründen verdrängt.

Man braucht da nicht unbedingt zu den Arbeitslosen und Hartz-IV-Empfängern zu gehören, die einigermaßen mit Zusatz-Leistungen vom Staat aufgefangen werden. Da sitzt man bereits als 1.000-Euro-Rentner mit im Boot, um nach nicht vermeidbaren  monatl. Belastungen (KK+Pflegeversicherung, Miete, Strom, TV, Telefon-Grundgebühr + KK-Selbstbehalt) gerade mal so viel zu haben  wie ein Hartz-IV-Empfänger (genaue Angaben siehe Kolumne RRP-Bund).

Und wenn es durchgesetzt wird, wie von Seiten der Regierungskoalition neuerdings verlautet, dass bei jedem Arztbesuch eine Praxisgebühr bis zu 5 Euro fällig wird, dann werden sich noch mehr scheuen, bei Erkrankung zum Arzt zu gehen, es ist anzunehmen, dass das so gewollt ist und ja zusätzlich bereits beschlossen ist, dass die Arbeitszeit auf 67 Jahre mit Blick auf die Zahl 70 verlängert wird, damit die  Lebenserwartung noch weiter sinkt, um die Rentenkasse durch frühzeitiges Ableben der immer größer werdenden von Armut gebeutelten  Schicht, die ja volkswirtschaftlich auf Grund ihres geringen Einkommens dem Staat nichts mehr bringt, zu schonen.

Auch geistert unseren Volksvertretern noch ein soziales Jahr nach der Verrentung, soweit man das überhaupt erreicht hat, im Kopf herum. Wie werden sich all die Reichen, Politiker, Manager, Banker etc. zu diesem Thema stellen. Wird mich dann einmal ein Herr Söder, ein Gewerkschaftsboss oder Manager von BMW mit dem Rollstuhl durch die Gegend chauffieren oder betreuen, sollte ich  Dement werden? Diese Arbeit verrichtet bis jetzt schon unentgeltlich ein Heer von ehrenamtlichen im Rentenalter, die Orden bekommen andere angeheftet.  Mir ist nichts bekannt, dass sich da einer aus der Bevölkerungs-Elite besonders hervor tut, sowas würde bestimmt groß in der Zeitung hervor gehoben werden. Sie übernehmen nur Patenschaften und Stiftungen, um überall vorne dran zu stehen, um wegen ihres Engagements und großen Herzens für die Armen und Kranken genannt zu werden. Im Alter residieren sie in ihren hart erarbeiteten Fincas auf der ganzen Welt, um sich auch noch der Steuer zu entziehen.

Es ist nachgewiesen, dass ein Beamter, der durch seinen planbaren Lebenslauf und im Alter einigermaßen gut versorgt ist, sogar 2 Jahre länger lebt als der normale Rentner. Auf dem Totenschein werden jetzt die Berufe möglichst verheimlicht -  des sozialen Frieden willens.

 

Annemarie Wagemann

Telefon 08036 – 7142

awage@online.de